Vergangene Veranstaltungen

Rückblick

Kolumbarium St. Pius Wattenscheid

Am 9.11.2017 begab sich der dkv Essen in das Kolumbarium St. Pius in Bochum-Wattenscheid. In einem Gottesdienst mit Bernd Wollharn und Roswita Paas wurde an diesem denkwürdigen Datum ein Gottesdienst gefeiert mit dem Thema, sich erinnern. Der zweigeteilte Aufbau des Gottesdienstes  ließ die ca. 30 Besucher zuerst eintauchen in das kindliche und noch unbefangene Umgehen mit dem Tod, um dann in einem freigestalteten Raum in Erinnerungen zu versinken. Getreu des Glaubens, in der Taufe mit einem Namen in die Hand Gottes eingeschrieben zu sein, nannten die Gottesdienstbesucher Namen von verstorbenen Verwandten, Freunden und Bekannten, in dem Wissen, dass sie alle bei Gott nicht vergessen sind. Im Anschluss an den Gottesdienst konnte das Kolumbarium besichtigt werden. Man konnte sich erkundigen, wie mit dem Tod im Kolumbarium umgegangen wird und wie man dort sehr unterschiedlich Abschied feiern kann, z.B. in drei verschiedenen Trauerräumen, mit Aufbahrung oder ohne, einzige Bedingung ist ein christlicher Abschiedsgottesdienst. Aber auch in und bei unterschiedlichen Angeboten, wie z. B. dem 14-tägigen Trauer-Café kann man seinen Schmerz und seine Trauer verarbeiten. Stets sind auch hauptamtliche und ehrenamtliche Trauerbegleiter vor Ort. Besondere Aufmerksamkeit erregte die Möglichkeit, auch jene Verstorbene an die Wände namentlich schreiben zu lassen, die womöglich im Krieg gefallen sind und ihr Grab bzw. ihre letzte Ruhe z.B. in Russland gefunden haben. Es ist also keine Notwendigkeit im Kolumbarium beigesetzt worden zu sein, um dort einen würdigen Ort der Erinnerung und der Trauer zu finden.

Herzlicher Dank geht an Frau Paas für ihre wertvollen Gedanken und Impulse, die sie mit uns teilte und Frau Scholz vom Kolumbarium, die uns Einsicht in alle Räume gewährte und das Kolumbarium mit all seinen Vorzügen nahegebracht hat.

 

 

 

 Maria – Bilder eines Lebens

 

Im Rahmen unserer Direktwahl zum dkv-Vorstand am 16. April 2018 war Dr. Herbert Fendrich bei uns mit dem Thema Maria – Bilder eines Lebens zu Gast. Es würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, sollte man auch nur versuchen, die dargebotenen Inhalte auch nur ansatzweise wiederzugeben.

 

Folgende Bilder wurden gezeigt und ausführlich besprochen:

-       Rogier van der Weyden: Miraflores Altar (um 1450)

-       Giotto. Arena-Kapelle in Padua (Es beginnt mit einem Kuss)

-       Skulptur: lernen (Anna unterrichtet Maria beim Lesenlernen.)

-       Robert Campin: Die Verkündigung an Maria (um 1500)

-       Fra Filippo Lippi: Anbetung im Wald (1459)

-       Mathias Grünewald: Isenheimer Altar

-       Konrad Witz-. Maria Verkündigung

-       Duccio di Buoninsegna: Maestà (1308-1311)

-       Darmstätter Madonna (1526)

-       Simone Martini: Hl. Familie (1342)

Fendrich

Herbert Fendrich hat unsere Augen für den „zweiten Blick“ geschärft. Dafür herzlichen Dank!

 

Dom und Domschatzführung

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Adveniatkrypta im Essener Dom

 Am 17. Mai trafen sich am späten Nachmittag 40 dkv-ler  aller Altersklassen, um den Dom und seinen Domschatz auf besondere Weise wahrzunehmen. Es sollte ein Angebot sein, Teilnehmende erfahren zu lassen, wie man den Dom und seinen Schatz im Unterricht aber auch in der Katechese unter vielen verschiedenen Ansätzen einsetzen kann. Wir teilten uns in zwei Gruppen  und da wir auch zwei Kinder unter den teilnehmenden aufweisen konnten, wurde die Führung mit den Kindern gestaltet, so dass alle anderen Anwesenden direkt erfahren konnten, wie sehr man die Führungen auf die Kinder abstimmen kann. Da ergab sich ein erster katechetischer Zugang zum Vaterunser in der Adveniatkrypta (siehe Fotos oben) , einfach, ohne große Wissensschwellen überschreiten zu müssen und zugleich bot das gleiche Material die Möglichkeit, einen Oberstufenkurs Religion, der sich mit den Seligpreisungen beschäftigt hatte, hier zum Vaterunser lange und fordernd zu beschäftigen. Kirchbau, mittelalterliche Schätze, mittelalterliches Ständewesen, Farbharmonielehre, alles Themen, die an handgreiflichen und augenscheinlichen Beispielen ausgearbeitet werden können.

 

Wir können unseren Dom nur allen Katecheten und Lehrpersonen anempfehlen. Sprechen Sie mit dem Personal vor Ort, es macht fast alles möglich – und es lohnt sich.

 

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder – Kindertrauer in internationalen Kurzfilmen

 

Anhand dieses Themas hat Eberhard Streier, Dozent für Religionspädagogische Medienarbeit im Schuldezernat des Bistums Essen, im vergangenen September einmal mehr die Bedeutung von Kurzfilmen für religiöse Lernprozesse belegt. Und das an einem besonderen Ort: im Kolumbarium in Wattenscheid.

 

Die vier an diesem Abend vorgestellten Titel machen deutlich, dass Kinder anders trauern als Erwachsene und ihr Umgang mit Tod und Trauer durch besondere Merkmale gekennzeichnet ist. In ihrem Verhalten liegen zudem Anregungen, die auch Erwachsenen bei ihrer Trauerarbeit hilfreich sein können. Dazu einige Beispiele:

 

Der Film DA UNTEN erzählt von einem Mädchen im Grundschulalter, das Kontakt zu seinem toten Bruder halten will, indem es eifrig gegen seinen Grabstein Fußball spielt. Ein altmodisch gekleideter Friedhofsbesucher nähert sich kopfschüttelnd, moniert dieses Verhalten und belehrt das Kind, dass sein Bruder nun im Himmel und seine Seele zu Gott zurückgegangen seien. Das Mädchen hält den Mann für „bekloppt” und setzt das Fußballspielen fort.

 

Aufgrund des alterstypischen Realismus kann dieses Mädchen zwischen Fantasie und Realität unterscheiden und den Tod grundsätzlich als Tatsache erfassen. Das bedeutet aber nicht zugleich, dass Kinder dieser Altersstufe emotional in der Lage sind, dies auch zu akzeptieren. Sie füllen ihre Wissenslücken mit Fantasie und entwickeln fantasievolle Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod in unterschiedlichen Formen und an verschiedenen Orten. Das rituelle Fußballspielen hilft diesem Kind, mit eigenen Unsicherheiten umzugehen und dem Schmerz ein Gesicht zu geben. Wie Kinder es in der Regel automatisch tun, entwickelt dieses Mädchen ein eigenes tröstendes und hilfreiches Bild vom Leben des mitspielenden Bruders da unten.

 

Im Film IN DER NACHT sagt der sterbenskranke Claude kurz vor seinem Tod zu seinem Bruder, dass er nicht in der Erde begraben werden möchte, sondern lieber ins Meer möchte. Nach der traditionellen Beerdigung des Kindes beschließen seine Geschwister und Freunde, ihm den Letzten Willen zu erfüllen: Die Fünf exhumieren ihn, überführen seinen Sarg nachts auf chaotische Weise zum Meer und führen eine außergewöhnliche Seebestattung durch.

 

Der Film zeigt in anschaulicher Weise, was trauernden Kindern wichtig ist, dass dies von Erwachsenen wegen der eigenen Betroffenheit oft nicht gesehen wird und der kindgemäße Umgang mit Tod und Trauer deren Normen und Konventionen zuwiderlaufen kann. Die humorvollen Szenen in diesem seriösen Werk entlasten den Zuschauer und entsprechen zugleich dem Erleben von Kindern, die ihre Gefühle schneller umstellen können als Erwachsene und in der Trauer auch körperliche oder motorische Ausdrucksmöglichkeiten wie Toben oder Spielen nutzen.

 

In WENN SIE SCHLAFEN wird der achtjährigen Sara und ihrer Familie völlig unerwartet die Nachricht vom plötzlichen Tod des Großvaters übermittelt. Bei ihr zu Hause wird der Tote gemäß den islamischen Bestimmungen nur von den männlichen Angehörigen gewaschen und für die Beerdigung vorbereitet. In der Nacht schleicht Sara, allen religiösen Konventionen zum Trotz, heimlich zu ihrem geliebten Großvater, um sich auf ihre Weise von ihm verabschieden: sie stellt Kerzen auf, bettet ihn, wärmt ihn mit seiner Wollmütze und leistet ihm die Nacht über Gesellschaft.

 

Indem Sara den Verstorbenen in der Nacht aufsucht, verschafft sie sich den Freiraum, den sie benötigt, um besser mit ihrer Trauersituation umgehen zu können. Sie hat keine Scheu, den Verstorbenen zu berühren, zu küssen und neben ihm zu schlafen. Hier ist abzulesen, dass auch Kindern der Umgang mit Verstorbenen zugemutet werden kann. Die kalte Hand, das kalte Gesicht sollte also kein Tabu sein.

Saras Trauer ist authentisch, da sie sich sehr persönlich von dem geliebten Opa verabschiedet und auf kindliche Weise universelle Bestattungsrituale der Erwachsenen nachahmt. Diese Handlungen des Mädchens ergeben sich aus Unsterblichkeitsgedanken, die sich bei Kindern ganz unabhängig von der Religionszugehörigkeit entwickeln.

 

Der Titel ÜBERFÜHRUNG erzählt von Mathieu, einem Jugendlichen in Kanada, dessen älterer Bruder bei einem Auslandseinsatz als Soldat getötet wurde und ins Heimatland überführt wird. Wahrscheinlich ist das der Grund für die Sprachlosigkeit in seiner Familie. Als letzten Gruß an seinen Bruder sprayt Mathieu nachts ein Graffiti mit den Worten „Ciao Bro!“ an eine Autobahnüberführung.

 

Offenbar gelingt es dieser Familie nicht, ihrer Trauer echten Ausdruck zu verleihen. Auch die hilfreiche Wirkung des Gemeinschaftsbezugs in Trauerfällen bleibt in diesem Film völlig aus. Das Schweigen der Betroffenen fordert den Zuschauer geradezu auf, das Verhalten der Protagonisten zu ergründen und darüber nachzudenken, wie diese angesichts des Todesfalles sprachfähig werden können.

Das Graffiti kann als – sehr unkonventionelle – Möglichkeit der Trauerbewältigung diskutiert werden. Es führt nicht nur Diskussion über Ausdruckweisen von Trauer und Erinnerungskultur sondern grundsätzlich zur Frage nach deren Bedeutung.

 

 

Filme

DA UNTEN, Jeremy Dylan Lanni, USA 2006, 3 Minuten, ab Primarstufe, www.methode-film.de

IN DER NACHT, Stefan Schneider, D/F 1995, 15 Minuten, ab Primarstufe, www.filmwerk.de

WENN SIE SCHLAFEN, Maryam Touzani, MA 2012, 18 Minuten, ab Primarstufe, www.filmwerk.de

ÜBERFÜHRUNG (VIADUC / OVERPASS), Patrice Laliberté, CDN 2015 , 19 Minuten, ab Jahrgangsstufe 9, www.filmwerk.de

Diese Filme sind bei den Filmwerken käuflich zu erwerben und in vielen kirchlichen und kommunalen Medienstellen sowie Landesmedienstellen – ggf. auch zum Download – verfügbar.

 

Literatur

Der Aufsatz zum Thema der Veranstaltung befindet sich in

Monika Marose (Hrsg.)

„Sterben, Tod und Trauer“ im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen (BRU)

Kompetenzen für Beruf und Leben 2018,  Glaube – Wertebildung – Interreligiosität,  Band 15,  212  Seiten,  broschiert,  29,90 €,  ISBN 978-3-8309-3880-4

 

 

 

 

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