KI, Menschenwürde und Religionsunterricht

Warum die neue Enzyklika Magnifica humanitas ins Klassenzimmer gehört

Künstliche Intelligenz verändert den Schulalltag – und stellt den Religionsunterricht vor neue Fragen. ChatGPT unterstützt bei Hausaufgaben, KI erstellt Bilder und Texte in Sekundenschnelle, Algorithmen beeinflussen unseren Alltag. Doch wie können Lehrkräfte diese Entwicklungen im Unterricht aufgreifen – nicht nur technisch, sondern auch ethisch?

Genau hier setzt die neue RUexpress-Ausgabe „Menschsein im Zeitalter der KI – Die Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV.“ an. Sie nimmt die erste Enzyklika des Papstes zum Anlass, mit Schülerinnen und Schülern über Menschenwürde, Verantwortung und den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz ins Gespräch zu kommen.

Mehr als eine „KI-Enzyklika“

In den Medien wurde Magnifica humanitas häufig als „KI-Enzyklika“ bezeichnet. Tatsächlich geht es Papst Leo XIV. um weit mehr. Er beschreibt eine Welt, in der technologische Entwicklungen, wirtschaftliche Interessen und politische Macht immer stärker miteinander verflochten sind. Seine zentrale Frage lautet: Wie kann Technik dem Menschen dienen, ohne seine Würde und Freiheit zu gefährden?

Diese Fragestellung ist hochaktuell – und eröffnet zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht.

Ein lebensnaher Zugang für die Sekundarstufe

Die RUexpress-Ausgabe richtet sich an die Jahrgangsstufen 9 bis 13 und übersetzt die Gedanken der Enzyklika in konkrete Unterrichtssituationen. Dabei steht nicht die Lektüre eines kirchlichen Dokuments im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit Fragen, die Jugendliche unmittelbar betreffen:

  • Kann eine KI Mitgefühl zeigen – oder nur Mitgefühl simulieren?
  • Macht uns KI klüger oder nimmt sie uns das eigene Denken ab?
  • Wer trägt Verantwortung, wenn Algorithmen Entscheidungen beeinflussen?
  • Was macht den Menschen eigentlich einzigartig?

Diese Fragen knüpfen unmittelbar an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler an und laden zu Diskussionen ein, die weit über den Religionsunterricht hinausreichen.

Biblische Zugänge neu entdecken

Ein besonderer Schwerpunkt der Unterrichtseinheit ist die Gegenüberstellung zweier biblischer Erzählungen: des Turmbaus zu Babel und des Wiederaufbaus Jerusalems unter Nehemia.

Während Babel für Machtstreben, Selbstüberschätzung und Vereinheitlichung steht, zeigt Nehemia, wie Gemeinschaft, Verantwortung und Zusammenarbeit gelingen können. Diese beiden Bilder dienen als Ausgangspunkt, um gemeinsam mit den Lernenden darüber nachzudenken, wie eine digitale Gesellschaft gestaltet werden sollte.

So werden biblische Texte nicht nur historisch betrachtet, sondern als Impulse für aktuelle gesellschaftliche Fragen erschlossen.

KI kritisch und differenziert betrachten

Die Unterrichtseinheit vermeidet einfache Antworten. Sie zeigt, dass Künstliche Intelligenz viele Chancen bietet – etwa beim Zugang zu Informationen oder bei der Organisation komplexer Aufgaben. Gleichzeitig regt sie dazu an, auch die Grenzen der Technologie zu reflektieren.

Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Verantwortung, Urteilsvermögen und echter zwischenmenschlicher Beziehung. Schülerinnen und Schüler setzen sich damit auseinander, warum technische Systeme niemals wertneutral sind und weshalb der Mensch auch in einer digital geprägten Welt Verantwortung für seine Entscheidungen trägt.

Medienkompetenz und Wertebildung verbinden

Digitale Bildung bedeutet heute mehr als den sicheren Umgang mit digitalen Werkzeugen. Sie umfasst auch die Fähigkeit, Informationen kritisch zu bewerten, eigene Entscheidungen zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen.

Genau hier verbindet die RUexpress-Ausgabe Medienkompetenz mit religiöser und ethischer Bildung. Die Lernenden werden ermutigt, ihre eigene Haltung zu entwickeln und digitale Entwicklungen nicht nur zu nutzen, sondern auch kritisch zu hinterfragen.

Sofort einsetzbare Unterrichtsideen

Neben einer verständlichen Einführung in die zentralen Gedanken der Enzyklika bietet die Ausgabe vielfältige Materialien für einen abwechslungsreichen Unterricht. Dazu gehören unter anderem:

  • Arbeitsblätter mit ausgewählten Texten aus der Enzyklika,
  • Aufgaben zu Chancen und Grenzen von Künstlicher Intelligenz,
  • Diskussionsanregungen zu Menschenwürde und Verantwortung,
  • kreative Arbeitsaufträge, beispielsweise zur Gestaltung eigener Memes,
  • sowie Impulse zur Anwendung der fünf Prinzipien der katholischen Soziallehre auf aktuelle digitale Fragestellungen.

Die Materialien fördern sowohl die Urteils- und Medienkompetenz als auch die Fähigkeit, ethische Fragestellungen argumentativ zu durchdenken und auf den eigenen Alltag zu beziehen.

Fazit

Künstliche Intelligenz wird den Alltag junger Menschen dauerhaft prägen. Umso wichtiger ist es, dass Schule Räume schafft, in denen nicht nur über technische Möglichkeiten, sondern auch über Werte, Verantwortung und Menschenwürde gesprochen wird.

Die neue RUexpress-Ausgabe „Menschsein im Zeitalter der KI“ bietet dafür einen fundierten und zugleich lebensnahen Zugang. Sie verbindet aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mit biblischen Perspektiven und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, digitale Bildung und Wertebildung im Religionsunterricht sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

Wenn Sie das Thema Künstliche Intelligenz mit Ihrer Lerngruppe fundiert, schülernah und diskussionsorientiert behandeln möchten, finden Sie in dieser Ausgabe vielfältige Impulse für einen zeitgemäßen Religionsunterricht.

 Hier geht es zur Einzelausgabe.

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Dr. Peter Frey, ZDF

Durch die religiöse Erziehung werden in einem Volk die Werte weitervermittelt, ohne die eine Gemeinschaft auf Dauer nicht existieren kann.

Prof. Dr. Claus Hipp

Der dkv – meine ganz persönliche „Münchener Rückversicherung“, um auch an der Uni mit „der Praxis“ verbunden zu sein, die mir auf vielen Tagungen und Fortbildungen in Gestalt engagierter und kompetenter Frauen und Männer begegnet. Meine Empfehlung an meine Student*innen und angehenden Referendar*innen: Jetzt eintreten, nie mehr wechseln!

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